Deutsches Atlantikwall-Archiv

Guernsey

 

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Guernsey / Channel Islands / Îles Normandes

Stand 01.10.2015

Guernsey weist die exponierteste Lage der normannischen Inseln auf. Wollte man die Bucht von St. Malo sperren, dann war es sinnvoll, weitreichende Artilleriegeschütze auf Guernsey zu installieren. So geschah es dann auch und es verwundert nicht, daß Guernsey neben seiner Hauptbatterie Mirus mit 305 mm Geschützen russischer Bauart auch über 12 Geschütze des Kalibers 220 mm verfügte.

Bettung für ein 305 mm Geschütz der Batterie Mirus

Im Zusammenwirken mit den schweren Batterien um Paimpol (im Westen) und auf der Halbinsel Cotentin im Osten konnte der Schiffsverkehr in der Bucht wirkungsvoll gestört werden. Hinzu kam je eine Batterie zu vier Geschützen des Typs 150 mm SK C/28, 150 mm SK L/45 und 155 mm K 418 (f). Sogar neun Langrohrmörser des Kalibers 210 mm waren hier auf drei Batterien verteilt.

220 mm K 532 (f) der Batterie Dollmann / Pleinmont

Geleitet wurde das Rundumfeuer von Marinepeilständen, die auf mehreren Etagen die Meßstellen für mehrere Batterien vereinten sowie Hilfsbeobachtern, die, direkt an den Klippenrändern liegend, für die richtigen Vorhalteberechnungen beim Scharfen Schuß sorgten.

Marinepeilstand MP 3 bei Pleinmont

Natürlich besaß die Insel auch einen ordentlichen Flugabwehrschutz. Auf sechs Großbatterien verteilt wurden hier 36 Rohre der 88 mm Flak installiert.
Gegen Tiefflieger wurden überall auf der Insel leichte Flugabwehrzüge verteilt, die meistens mit 20 mm FlaGeschützen, manchmal auch mit solchen des Kalibers 37 mm ausgestattet waren.

Fl 242 für 20 mm Flak 38 bei La Grand Hogue

Infanteristischen Schutz boten 32 Geschütze über 75 mm sowie etliche Panzerabwehrkanonen und eingebaute Kampfwagentürme.

Renault FT 17 Kampfwagenturm in der Batterie Dollmann / Pleinmont

Unter den passiven Befestigungsanlagen finden sich vor allem die weitläufigen Panzermauern, die alle Strände der Insel vor Überraschungsangriffen schützten. An geographisch bedingten Knicks wurden flankierende Schartenstände eingelassen.

 In Panzermauer integrierter R 676 bei Pembroke

Das hügelige Gelände der Insel bot sich – wie auch auf Jersey in starkem Maße gehandhabt für den Bau von zahlreichen minierten Anlagen an. Hier wurde Betriebsstoff und Munition gelagert sowie Strom erzeugt. Einige Anlagen waren als Lazarette ausgebaut. Eine ähnliche Dichte derartiger Hohlgangsanlagen – obwohl längst nicht alle der 40 Bauvorhaben verwirklicht werden konnten - findet man sonst nur in Teilen Norwegens, aber niemals in der Größe wie auf Jersey oder Guernsey.

Lazarettstollen Ho 40 (heute Museum) bei St. Andrews

Wie auf Jersey, gibt es auch auf Guernsey viele Stellungen und einzelne Bauwerke, die restauriert wurden und samt Interieur zu besichtigen sind.

Jägerstand für 105 mm K 331 (f) im Fort Hommet Quartier im V 142 des Marinenachrichtenoffiziers in St. Jacques

Alle Fotos des Abschnitts Guernsey wurden uns dankenswerterweise von Andreas Günnel zur Verfügung gestellt.

 

Zur Vertiefung

[1] DAWA Nachrichten 25/26 - Sonderbauten für die 4,7 cm Pak K 36 (t) (Festungspak)
[2] Sonderband 10 - Die Heeresregelbauten des Atlantikwalls
[3] Sonderband 13 - Panzersperren und andere Hindernisse
[4] Sonderband 22 – Militärmuseen auf den Kanalinseln


 

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Stand: 17. Dezember 2016

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