Deutsches Atlantikwall-Archiv

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Stand 03.10.2015

Vom Atlantikwall auf deutschem Terrain kann man nur noch sehr wenig sehen. Vor allem im Bereich der ehemaligen Festungsplätze finden sich hier und da noch Reste von Flugabwehrbatterien und Luftschutzanlagen, die zumeist vor Beginn des II. Weltkrieges erstellt wurden.

OB für Flak Offene Bettung für eine schwere Flak
unter Drehhaube
Wangerooge
[Marcus Hoffmann / Köln]
... und im Fort Kugelbake bei Cuxhaven steht das passende Geschütz: eine 10,5 cm SK C/32 auf Marinepivotlafette 10,5 cm SK C/32

Überbleibsel von Marineküstenbatterien auf dem Festland sucht man meistens vergebens. Nur hier und da kann man noch einen Fund machen, weil eine Sprengung des Bauwerkes zu viel umstehende Einrichtungen zerstört hätte, weil ein Bauwerk bereits 1946-1950 zugeweht war oder auf eine andere Weise in Vergessenheit geriet.

Allgegenwärtig sind jedoch noch die Luftschutzbunker vor allem in Hamburg, Bremen, Wilhelmshaven und Emden, die der Zivilbevölkerung Schutz bei den zahlreichen Luftangriffen der Alliierten bieten sollten. Heutzutage sind sie oft so eng mit der städtischen Bebauung verzahnt, daß sich eine Sprengung verbietet. Das hat zur Folge, daß die Bunker entweder mangels vernünftigen Nachnutzungsmöglichkeiten leer bleiben oder zu verwendbaren Immobilien umgebaut werden.

Luftschutzbunker in Emden Luftschutzbunker in Emden
Versorgungsbunker in Emden Versorgungsbunker in Emden
Bunker in Emden Bunker in Emden
Luftschutzbunker in Wilhelmshaven Luftschutzbunker in Wilhelmshaven
Luftschutzbunker in Wilhelmshaven Dieser Luftschutzbunker in Wilhelmshaven dient heute dem Deutschen Alpenverein als "Zugspitze"

Auf den ostfriesischen Inseln sind hier und da noch einige Anlagen erhalten geblieben. Es handelt sich hier vor allem um Bauwerke, die im I. Weltkrieg oder vor dem II. Weltkrieg erstellt wurden. Durch die Blitzkriege zu Anfang des II. Weltkrieges wurde der Ausbau der Nordseefestungen zurück- oder gänzlich eingestellt.

Fortinsel Langlütjen II Bettung
Fortinsel Langlütjen II
[Heinz Werner Reibert]
Bauwerksreste
auf der
Fortinsel Langlütjen II
[Heinz Werner Reibert]
Fortinsel Langlütjen II

Erst Ende 1944 mußte auf einmal alles ganz schnell gehen: die Alliierten waren erfolgreich in Frankreich gelandet. Deren Armeen standen im Spätherbst 1944, notdürftig von den deutschen Truppen gestoppt, an der deutschen Westgrenze und nutzten den Winteranfang, um sich neu zu formieren. Das OKW befürchtete eine neue alliierte Landung in Dänemark oder an der norddeutschen Küste, die das Ziel gehabt hätte, von Norden aus den auf dem Reichsgebiet operierenden deutschen Truppen in den Rücken zu fallen und damit das Kriegsende - zumindest in Mitteleuropa - herbeizuführen.
Um eine solche Invasion zu verhindern, wurde in aller Eile ein Bauprogramm aufgelegt, welches die Befestigung neuralgischer Punkte zum Schwerpunkt hatte. Hauptsächlich handelte es sich dabei um die alten Seefestungen wie Borkum, Norderney oder Wangerooge, aber auch Sylt, Römö und der Raum Esbjerg wurden mit einbezogen.
Dieses Bauprogramm sah vor allem die Errichtung schwerer Seezielbatterien sowie von Mannschaftsunterständen und Kampfbunkern vor. Bei letzteren handelte es sich vorwiegend um recht neu entwickelte Regelbauten, die auf sämtliche "überflüssigen" Einrichtungen verzichteten und bei sparsamster Materialausnutzung ein Höchstmaß an Effektivität bringen sollten. Man war sich nach den Erfahrungen vom Sommer illusionslos darüber im Klaren, daß eine Einzelkampfanlage nicht mehr so zu planen war, daß sie sich mehrere Tage autark im Kampf halten konnte. Die Konsequenz war der Bau von Kampfanlagen ohne Nebenräume (beispielsweise der MG-Schartenstand R 681) und Mannschaftsunterständen in leichterem Ausbau (beispielsweise der R 668: die Decken- und Wandstärke betrug hier nur 1,50 m) und mit vereinfachtem Gasschutz und ohne Stahlpanzertüren (Regelbauten der 700er Serie).
Obwohl diese Konstruktionen schon so einfach wie möglich gehalten wurden, kam es nur noch stellenweise zu einer Fertigstellung. Es fehlte einfach an allem - nicht zuletzt wohl auch am Willen der bauausführenden Dienststellen.

Von Sylt, Wangerooge und Borkum sowie Helgoland gibt es mittlerweile einiges an Literatur, die sich in Teilkapiteln auch mit dem Atlantikwall befaßt. 2007 erschien unser DAWA Sonderband 6, der sich intensiv mit den Stützpunkten der Festung Norderney im II. Weltkrieg befaßt und damit die Lücke der Beschreibungen deutscher Seefestungen schließt.
 

Zur Vertiefung:

[1] Apfeld, Volker
  Borkum - Festung im Meer
[2] Friese, Jürgen
  DAWA Sonderband 8 - Die Stützpunktgruppe Römö
[3] Fröhle, Claude; Kühn, Hans-Jürgen
  Hochseefestung Helgoland 1934-1947
[4] Lacoste, Werner
  DAWA Sonderband 28 - Die Weserforts - Beiträge zur Geschichte
[5] Lippmann, Harry
  DAWA Sonderband 10 - Die Regelbauten des Heeres im Atlantikwall
[6] Lippmann, Harry
  DAWA Sonderband 14 - Die Stützpunktgruppen Blåvand und Nymindegab
[7] Lippmann, Harry
  DAWA Sonderband 15 (mit Begehungstips Atlantikwall) - Militärmuseen in Dänemark
[8] Lippmann, Harry
  DAWA Sonderband 16 - Militärmuseen in Deutschland
[9] Mallmann-Showell, Jak P.
  Deutsche U-Boot-Stützpunkte und Bunkeranlagen 1939 - 1945
[10] Mehl, Hans
  Schiffs- und Küstenartillerie - Marinegeschütze aus 500 Jahren
[11] Röben, Bernd; Friese, Jürgen
  DAWA Sonderband 6 - Die Festung Norderney
[12] Rolf, Rudi
  Der Atlantikwall: Die Bauten der deutschen Küstenverteidigung 1940-1945
[13] Willumsen, Peter
  Der Atlantikwall auf Fanø - Fanø im Zweiten Weltkrieg
 


 

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Stand: 17. Dezember 2016

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