Deutsches Atlantikwall-Archiv

Fernstsuchgeräte

 

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Fernstsuchanlagen

Stand 23.03.2010

Die Fern- und Fernstsuchgeräte wiesen eine wesentlich höhere Reichweite als die der Freya-Familie auf. Sie sollten bereits frühzeitig einfliegende Bomberströme als solche erkennen und an die Flugmeldeketten übergeben. Die am meisten eingesetzten Geräte waren die verschiedenen Ausführungen von WASSERMANN (basierend auf vertikal gedoppelten Freya-Antennenfeldern) und MAMMUT (basierend auf horizontal gedoppelten Freya-Antennenfeldern).
Auch hier liefen die Entwicklungen für Luftwaffe und Marine wieder parallel zueinander - ja, man möchte meinen, sogar auseinander. Durch die Konkurrenz der einzelnen Teilstreitkräfte und Herstellerfirmen verzettelten sich die Entwicklungen auch auf diesem Sektor.
Überschwere Fernstsuchanlagen (sogenannte Über-Horizont-Anlagen) wie der ELEFANT hatten Reichweiten mit mehreren hundert Kilometern, durch Überreichweiten konnten sogar Ziele auf einer Distanz von mehr als tausend Kilometern erfaßt werden.

Die Wassermann-Familie
Die Entwicklung dieser Geräte begann 1940 auf dem GEMA-Gelände in Jüterbog. Hier stand seit Sommer 1940 ein 30 Meter hoher Gittermast, mit einen Drehlager auf einem Betonsockel befestigt. Der Gittermast war an der Spitze mit einem zweiten Drehlager ausgestattet, der die Standfestigkeit durch Abspannseile sicherte. Dieser Mast wurde der wesentlichste Bestandteil der Entwicklung des "DeTe-W". Aus dem "W" wurde später der Tarnname WASSERMANN abgeleitet.
Nachdem von der Luftwaffe großes Interesse an dem neuen Gerät gezeigt wurde, entstand auf einem dreieckigem Alu-Gittermast mit bis zu sechs Freya-Antennenspiegeln das "WASSERMANN L"-Gerät. Der Buchstabe "L" stand hierbei für die leichte Ausführung mit einem Alu-Gittermast.

Wassermann S
Stützpunkt Salzhering
Skagen Grenen
[F.G. Tillisch]

[Museumscenter Hanstholm]
Wassermann S


Der große Erfolg des WASSERMANN L veranlaßte die GEMA 1941 dazu, die Entwicklung eines drehbaren Mastes voranzutreiben. Da der Mast mit bis zu zwölf Freya-Spiegeln ausgestattet werden sollte, mußte das Gerät auf einen betonierten Gerätestand errichtet werden. Das neue Gerät erhielt den Namen "WASSERMANN S", wobei das "S" für schwere Ausführung stand.

Das Mammut I
Die Firma Gema entwickelte zusammen mit der NVK der Marine das Mustergerät FuMG (Flum) 41G (fF) Mammut I.
Es besaß vier feste Gittermasten, die nebeneinander aufgestellt waren. Aus acht Freya-Antennenfelder wurde ein Feld von 10 m Höhe und 25 m Breite zusammengesetzt.

Mammut F
FuMG-Stützpunkt Hamborg
Hanstholm / Hjertebjerg Höj
[Carsten Petersen]
Mammut F


Dabei diente die obere Reihe für die Sendung, die untere für den Empfang. Die seitliche Diagrammschwenkung um ± 50° wurde elektrisch durch Kompensatoren (Phasenschieber) durchgeführt. Wenn der Abgriff und der Mitte stand, ergab sich durch gleichphasige Speisung der beiden Antennenhälften (Sendung und Empfang) ein genau in der Spiegelachse liegendes Diagramm. Bei einer Verschiebung nach rechts entstand so ein links "schielendes" Diagramm, nach rechts war es umgekehrt.
Die später aufgestellten Geräte erhielten eine neu durchkonstruierte Antenne, die 11,10 m hoch und 28,50 m breit war.

Abkürzungen der Kurzbezeichnungen
Als Beispiel mag das FMG 41 G (fF) dienen:
FMG – Funkmeßgerät
41 – die letzten beiden Zahlen des Einführungsjahres
G – Anfangsbuchstabe des Herstellers (hier G für GEMA)
f – Frequenzbereich (hier f für 120–150 MHz)
F – Kennzeichnung des Drehstands und der Ausführung oder Art wie die Antenne geschwenkt wurde
      (hier F für Boden, stationär mit elektrischer Antennendiagrammschwenkung)

Die Abkürzungen des Drehstands oder der Antenne bedeuteten
A – Boden, stationär mit mechanischer Drehung
B – Boden, mobil mit mechanischer Drehung
D – Boden, mit Drehsäule auf einem Bunker errichtet
F – Boden, stationär mit elektrischer Antennendiagrammschwenkung
L – Schiff, mit einer Drehsäule auf der Brücke
M – Schiff, mit einer Drehsäule auf dem Mastausleger
O – Schlachtschiff, mit einer Funkmeßgerätehaube aufgesetzt auf dem E-Meßstand
P – Schiff, mit einer feststehenden Antenne
U – Unterseeboot
Z – Boden, mit einen zerlegbaren Stand

 

Fernstsuchanlagen

Alte
Bezeichnung
FuMG 
(Flum)
Bezeichnung
Luftwaffe
FuMG 
FuSE
Bezeichnung Marine 
FuMO 
(Flum)
Ab-
kürz-
ung
Tarnname Frequenz Meßent-
fernung
E-Meß-
genauigkeit
Peilge-
nauigkeit 
Seite
Peilge-
nauigkeit
Höhe
Hersteller
FMG 41 G (cB)       MAMMUT 
FRIEDRICH
            
FMG 41 G (fF)       MAMMUT I 125 MHz          
FMG 41L 
(nur entwickelt)
          bis 50 km ± 20 m ± 0,1°    
FuMG 43 ??     FF FREYA-
FAHRSTUHL?
125 MHz bis 160 km        
FuMG 406       WASSERSPIEL 125 MHz          
        WÜRZMANN 120 - 
138 MHz
bis 200 km       Telefunken
        WACHTMEISTER            

 

 

Ortsfeste Drehanlagen

Alte Bezeichnung
FuMG 
(Flum)
Bezeichnung Luftwaffe
FuMG 
FuSE
Bezeichnung
Marine 
FuMO 
(Flum)
Abkürzung Tarnname Frequenz Leistung Meßent-
fernung
Hersteller
FuMG 41
DeTe W
      WASSERMANN L 125 MHz
ab 1944
132 - 149 MHz
20 kW   Siemens
FuMG 42
DeTe S
      WASSERMANN S 122 - 131 MHz 100 kW   Siemens
FuMG 43 FuMG 402 I FuMO 331 WM I WASSERMANN M I 120 - 158 MHz 100 kW 300 km Siemens
FuMG 43 FuMG 402 II FuMO 331 WM II WASSERMANN M II 120 - 158 MHz 100 kW 300 km  
FuMG 43 FuMG 402 III FuMO 331 WM III WASSERMANN M III 158 - 250 MHz 100 kW 300 km  
FuMG 43 FuMG 402 IV FuMO 331 WM IV WASSERMANN M IV 120 - 158 MHz 100 kW 300 km  
FuMG 43 FuMG 402 V FuMO 331 WM V WASSERMANN M V 125 - 158 MHz 100 kW 300 km  

 

Über-Horizont-Fernsuchanlagen

Alte Bezeichnung
FuMG 
(Flum)
Bezeichnung
Luftwaffe
FuMG
FuSE
Bezeichnung
Marine 
FuMO 
(Flum)
Ab-
kürz-
ung
Tarnname Frequenz Meßent-
fernung
E-Meß-
genauigkeit
Peilge-
nauigkeit 
Seite
Hersteller
        KNICKEBEIN J 30 MHz bis zu 
3.000km
    Telefunken
        HEIDELBERG 15 - 23 MHz       Telefunken
        RUNDBLICK 26,2 MHz 250 - 400 km     NVK
        LANG-
WELLENORT
8,33 MHz bis 1700 km     NVK
        ELEFANT 35,5 MHz 200 - 300 km 
und bis zu 
2.200km
  ± 5° RPZ
      EL SEE-
ELEFANT
23 - 28 MHz 
oder 
32 - 38 MHz
250 - 400 km     RPZ
        KLEIN - 
HEIDELBERG
(PARASIT)
22 - 28 MHz bis 250 km ± 1 - 2 km ± 3° RPZ
    FuMO 
nur für die
Marine
geplant
  PARIS 187 - 208 MHz       Gema

 

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Stand: 17. Dezember 2016

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