Deutsches Atlantikwall-Archiv

Sword

 

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Landeabschnitt SWORD

Stand 10.05.2017

SWORD war der östlichste Landeabschnitt und wurde von britischen Landungskräften relativ schnell eingenommen. Umsomehr verwundert es, daß zur Erreichung des Tagesziels – Caen - mehrere Wochen vergehen sollten. Die britische Presse hielt denn auch mit zynischen Bemerkungen nicht hinterm Berg.

Die am besten erhaltene Gesamtanlage - einmal vom Gefechtsstand W 17 abgesehen - befindet sich nicht am eigentlichen Landeabschnitt Sword, sondern östlich davon, direkt an der Orne-Mündung westlich von Franceville. Von hier aus sahen die Deutschen machtlos zu, wie der Landeplan der Briten in den ersten Stunden minutiös ablief. Interessant wäre es zu wissen, was in den Wochen bis Juli hier geschah – immerhin lag der Landeabschnitt direkt westlich der Orne und damit bereits im Feuerbereich von mittleren Maschinenwaffen. VF 6a
 
R 506 Dieser Regelbau 506 des Panzerstützpunktes Franceville West war mit einer 4,7 cm Pak K 36(t) bestückt. Die Panzerabwehrkanone deckte die hier entlanglaufende Panzermauer in westlicher Richtung.
 
Der Bau war für eine Besatzung von 6-8 Mann ausgelegt. Interessant an diesem Bau sind zwei Dinge. Zum einen das Vorhandensein einer flankierenden Anlage. Ein dort eingesetztes leichtes Maschinengwehr (MG) konnte das Innere des Stützpunktes sichern. R 506
 
Außergewöhnlich für diesen - eigentlich für den Westwall konzipierten - Entwurf ist der Ringstand. Völlig unverständlich ist die schalungstechnische Anbringungsweise: Obwohl zeitgleich mit dem Hauptbauwerk erstellt, wurde der Ringstand nicht in einem Guß eingeschalt. Der Nachteil wird beim Betrachten sofort ersichtlich: Durch den mangelnden Halt kippte der Ringstand im Laufe der Jahre vom Hauptbauwerk weg.
 
Die gleiche Technik wurde beim in der Nähe befindlichen R 504 (Unterstellraum für Pak mit Mannschaftsraum für 6-12 Mann) angewandt. R 504
 
Auch der Regelbau 504 ist ursprünglich ein Entwurf des Westwalls, wurde aber recht häufig in der Normandie und in der nördlichen Bretagne eingesetzt. Leider wurde mittlerweile die Stellung touristisch erschlossen und die Bunker sind nur noch störendes Beiwerk eines Naturschutzgebietes. R 504
 
Ringstand 65  -  Pegasus-Bridge Die Pegasus-Bridge - ein Nachbau aus den 90er Jahren. Das Original steht ein paar Meter weiter östlich am neuen Museum. Für den Bunkerfreund dürfte die in einem Ringstand der Bauform 65 eingebaute 5 cm Kampfwagenkanone (Kwk) interessanter sein. [1, 3]
 
Die flachen Strände der Invasionsküste boten sich für einen Einsatz von 6-Schartentürmen förmlich an. Die beiden eingesetzten MG 34 konnten unbehindert durch das umgebende Gelände rundum wirken. Der hier abgebildete Turm befindet sich auf der Zwischenmole von Ouistreham und ist Teil eines R 634. Panzerteil 20P7, 6-Schartenturm
 
Hafeneinfahrt von Ouistreham Die innere Hafeneinfahrt von Ouistreham - der 6-Schartenturm befindet sich etwas weiter nördlich.
Der Mangel an Rohstoffen beschränkte den Bau der Türme auf taktisch besonders wichtige Stellen.
 
Atlantikwall-Museum in Riva Bella Im Museum Riva Bella
Der Hochleitstand von Riva Bella - eine Sonderkonstruktion - ist der einzige seiner Art in diesem Bereich Frankreichs und stellt somit einen wichtigen Besichtigungspunkt dar. Hier ist ein sehenswertes Atlantikwallmuseum untergebracht. Hochleitstand Riva Bella

Hochleitstand Riva Bella - Grundriß Kellergeschoß

 
Blick auf SWORD Typisch für die Anlage von Gefechtsständen in 2. Linie hinter der Küste ist die Stellung südlich von Colleville. Das nebenstehende Bild zeigt die Lage zur Küste. Die Bauwerke eines solchen Gefechtsstandes sollten - möglichst im vollfestungsmäßigen Ausbau - die Funktionen eines Gefechtsstandes unter Gefechtsbedingungen sicherstellen.
 
Praktisch wurde dieser Grundsatz meistens auf wenige bombensichere Bauwerke beschränkt, die die taktisch wichtigsten Aufgaben übernehmen sollten, während vielerlei Hilfsbauwerke, meist auch nur Baracken, Funktionen zu erfüllen hatten, auf die im harten Gefechtseinsatz verzichtet werden konnte. Als funktional wichtigste Bauwerke sind Gefechtsstandsbunker, Telefonzentralen und Mannschaftsbunker sowie Wasservorratsstände als vollfestungsmäßige Bauwerke in einer solchen Stellung enthalten. R 608, Eingangshof
 
Der Gefechtsstand südlich Colleville wies lediglich drei vollfestungsmäßig erstellte Bauwerke auf: einen R 605 (Unterstellraum für 2 Geschütze) und zwei R 608 (Regimentsgefechtsstand). [2]
Die beiden hier eingesetzten R 608 weisen eine Besonderheit auf: Durch einen anbetonierten Gang gelangte man in einen Schacht, auf dem jeweils eine Glocke für Infanteriebeobachtung thronte. Beide Kuppeln wurden leider bei Kriegsende entfernt. Eine Attrappe wahrt heute den Anschein der Originalität. [2]
 

Zur Vertiefung:

[1] Ein Kurzbericht über das Pegasus-Museum ist in unserem Heft 37 der DAWA Nachrichten zu finden. 
[2 Ein Bericht über diese Stellung ist in unserem Heft 34 der DAWA Nachrichten zu finden.
[3 DAWA Sonderband 1 - Der Neue Westwall (bislang noch nicht erschienen)
[4 DAWA Sonderband 5 - Die 5 cm Kampfwagenkanone im Atlantikwall

    

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Stand: 17. Dezember 2016

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