Deutsches Atlantikwall-Archiv

PzWerk Varde

 

Zurück

Der Panzerstützpunkt an der Pointe de la Varde

Stand 12.12.2016

Schon zu früheren Zeiten bildete die Pointe de la Varde einen wichtigen Stützpunkt der östlichen Seeverteidigung des Korsarenstädtchens St. Malo.
Die deutsche Besatzung des Panzerwerkes an der Ponte de la Varde östlich von St. Malo hatte ebenfalls den Auftrag, die Hafeneinfahrt von St. Malo und die Reede östlich der Stadt artilleristisch zu sperren.

R 120, Stand für Artilleriebeobachtung

Um diesem Auftrag gerecht werden zu können, installierte man Feldgeschütze in Bauwerken des Typs R 611, wovon einer die Besonderheit des Fehlens einer flankierenden Anlage aufweist.

R 611, Schartenfront R 611, hier der Stand mit flankierender Anlage

Um Landungsfahrzeuge am Strand von Parame bekämpfen zu können, baute man zwei 5 cm Kampfwagenkanonen in Kleinstschartenstände des Typs R 667 [1] ein. Auch hier gibt es Besonderheiten: der südliche der beiden weist einen untergebauten Mannschaftsunterstand, der nördliche einen Notausstieg auf.

R 667 Süd, Schartenfront R 667 Nord

Eine dritte Kampfwagenkanone positionierte man innerhalb eines (spiegelbildlich erstellten) R 653 im Norden des Stützpunktes zur Abwehr von landseitigen Angriffen gegen die Südostseite des Panzerwerkes [2] und zum Schutz der östlich angrenzenden Buchten.
Dieses Bauwerk ist recht selten am Atlantikwall.

 

Blick nach Norden: R 611, R 653 und R 120

Sieht man einmal von leichten Flugabwehrwaffen ab, erschöpft sich hiermit das artilleristische Rückgrat des Stützpunktes, dessen Hauptschußrichtung nach Westen wirkt. Um sich auch gegen landseitige Infanterieangriffe behaupten zu können, stattete man den Stützpunkt mit wirksamen Nahverteidigungswaffen aus.

6-Schartenturm des R 112

Im wahrsten Sinne des Wortes hebt sich dabei der 6-Schartenturm für zwei sMG 34 an der Südkante des Stützpunktes heraus. Er ist mustergültig in die alten Fortmauern eingelassen, so daß seine neunköpfige Besatzung - vor direktem Feindfeuer geschützt - ungehindert das Bauwerk betreten und verlassen konnte.

R 112 - Eingang mit flankierender Anlage Die flankierende Anlage des R 112

Trotzdem besitzt er eine stark gepanzerte MG-Schartenplatte in der flankierenden Anlage, die aus drei einzelnen Panzerplatten (726aP3 vor 7P7 vor 492aP2) besteht [6] und längs des nach Norden führenden Grabens des alten Forts wirkt.

Als taktischen Nebeneffekt konnte man somit direkt den Zugang zu einem R 506 schützen, der sich knapp hundert Meter weiter nördlich noch vor dem R 653 befindet und mit seiner 4,7 cm Festungspak den Panzerstützpunkt, wie auch die schon oben erwähnte 5 cm Kwk, vor angreifenden Kampfwagen schützen sollte.

R 506, Schartenfront

Inwiefern das schließlich beim Angriff der Amerikaner gelang - oder auch nicht - bleibt, leider, für uns reine Spekulation. Die Einschüsse im 6-Schartenturm jedenfalls lassen nichts Gutes für dessen Besatzung erahnen. Vielleicht stellte man aber hier auch ein Gefecht nur für die amerikanischen Wochenschauen nach - wie beim Panzerwerk St. Servan geschehen.

Auch die anderen Bauten weisen Treffer, meistens von Maschinenwaffen auf (wobei der R 120 besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, wohl, weil die Angreifer ihn fälschlicherweise für einen MG-Schartenturm hielten), die aber die Funktionalität der Werke in keinster Weise beeinträchtigen konnten. Beschußspuren an der Eingangsseite des R 120
Einschüsse im 6-Schartenturm

Die Pointe de la Varde, jahrzehntelang gesperrt, ist heute ein Naturschutzgebiet und für den Tourismus erschlossen. Leider, möchte man sagen, da man mittlerweile vor lauter Graffitti die Bunker nicht mehr erkennen kann.

 

Zur Vertiefung:

[1]  DAWA Nachrichten 40 - Schartenoptimierungen für die 5 cm KwK
[2] DAWA Sonderband   5 - Die 5 cm Kampfwagenkanone im Atlantikwall  (Neuauflage in Farbe!)
[3] DAWA Sonderband 10 - Die Regelbauten des Heeres im Atlantikwall  (vergriffen)
[4] DAWA Sonderband 17 - Militärmuseen in Frankreich
[5] DAWA Sonderband 30 - Bildband Heeresregelbauten, Teil 1
[6] DAWA Sonderband 31 - Bildband Heeresregelbauten, Teil 2 (Neuauflage 2017 in Farbe!)

  

Willkommen ] Zurück ]

Stand: 17. Dezember 2016

Impressum
Harry Lippmann, Schmittgasse 151, D - 51143 Köln  - Telefon: (02203) 87818
Harry.Lippmann@deutschesatlantikwallarchiv.de