Deutsches Atlantikwall-Archiv

HKB

 

Zurück

Heeresküstenbatterien

Stand 03.10.2015

Heeresküstenbatterien wurden zum direkten Schutz des Küstenvorfeldes und der betreffenden möglichen Landungsstrände eingesetzt. Durch das beim Heer gewöhnliche, von einem Vorgeschobenen Beobachter gelenkte, indirekte Schießen, war die Bekämpfung von sich bewegenden Seezielen nicht die eigentliche Abwehraufgabe einer solchen Batterie.

Die Geschütze von Heeresküstenbatterien waren bis zum Kaliber von 155 mm zumeist auf Radlafetten entweder auf Drehtischbettungen innerhalb einer offenen Bettung oder mit festgelegter Hauptschußrichtung in einer Geschützkasematte eingebaut.

Heeresbatterie in Schartenständen bei Lorient Drehschemelbettung, hier in der Batterie Marcouf

Größere Kaliber wurden dagegen auf fest installierten Sockellafetten montiert. Durch ihre größere Reichweite und den festen Lagerpunkt konnten sie auch zur Seezielbekämpfung eingesetzt werden. Obwohl geschützt von einem Heeresregelbautyp, wurden diese Waffen oft von Marineeinheiten bemannt. Das bekannteste Beispiel dürfte die Batterie Marcouf sein, deren Besatzung vier Mörser bediente, die in Heeresregelbauten untergebracht waren. Auch waren sämtliche Peripheriebauten aus dem Heeresbauprogramm, wobei der Leitstand eine Spezialkonstruktion war.

R 683 der Batterie Marcouf für einen 21 cm Mörser Der Leitstand der Batterie Marcouf ist eine Sonderkonstruktion
Heeers-Einheitsleitstand R 636a am Cap Ferret Auch die R 650 der Batterie Azeville liegen weit im Hinterland

Heeresküstenbatterien befanden sich aufgrund ihres eigentlichen Kampfauftrages immer einige Kilometer zurückgesetzt im Landesinneren, oft in einer Geländemulde, um einem direkten Schiffsbeschuß nicht ausgesetzt zu sein. An der Küste lagen ihre Vorgeschobenen Beobachter, oft nur in Ringständen, um das Feuer besser zu leiten und die vorher festgelegten Sperrfeuerräume ausnutzen zu können.

In der Anfangszeit in feldmäßigen oder leicht betonierten Bettungen montiert, wurden die meisten Geschütze ab 1943 in Schartenstände eingebaut. Man versprach sich dadurch einen Schutz gegen Luftangriffe. Der Preis hierfür war die Unbeweglichkeit der Artillerie, vor allem bei auf Sockellafetten fest montierten Geschützen. R 669 in Batterieaufstellung südwestlich von Roscoff
HKB Mt. Canisy: R 679 in Batterieaufstellung HKB Mt. Canisy: Offene Bettung neben dem R 679

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, daß Heeresbatterien immer nur das Küstenvorfeld deckten. Das Ganze im indirekten Schuß, gelenkt mit Hilfe eines Vorgeschobenen Beobachters, der sich vorne bei den Küstenwiderstandsnestern befand.
Selten gab es vorne an der Küstenlinie eingesetzte Heeresbatterien, die dann einen Seezielbeschußauftrag wahrzunehmen hatten.

Übrigens macht die Marinebatterie Marcouf im Cotentin auch hier wieder eine Ausnahme: sie liegt etwas zurückgesetzt, konnte aber dank der Reichweite ihrer Geschütze durch die leicht erhöhte Lage im Hang eine bessere Wirkung gegen Seeziele (!) entfalten, als wenn sie direkt an der Küstenlinie eingebaut worden wäre. Blick auf die MKB Marcouf von der Küste aus

 

Zur Vertiefung:

[1] DAWA Sonderband 30 - Bildband Heeresregelbauten, Teil 1
[2] DAWA Sonderband 31 - Bildband Heeresregelbauten, Teil 2

 

 

Willkommen ] Zurück ]

Stand: 17. Dezember 2016

Impressum
Harry Lippmann, Schmittgasse 151, D - 51143 Köln  - Telefon: (02203) 87818
Harry.Lippmann@deutschesatlantikwallarchiv.de