Deutsches Atlantikwall-Archiv

Gamvik

 

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Die Batterie Gamvik auf der Nordkinnhalbinsel

Stand 03.08.2017

 

Die Nordkinn-Halbinsel ist der nördlichste Festlandspunkt Europas. Hier mußten alle Murmansk-Geleitzüge mehr oder weniger nahe vorbeigeführt werden. Batterie Gamvik: noch erhaltene Laufgräben

Aber nicht zur Bekämpfung der alliierten Geleitzüge - die sich leicht außerhalb des wirksamen Schußradius von maximal 20 km einer Heeresküstenbatterie halten konnten - sondern zur Deckung naheliegender Häfen und zur Sicherung des Tanafjords installierte man drei Batterien der Heeresküstenartillerieabteilung 480 in feldmäßigem Ausbau auf der Nordkinn-Halbinsel, die es eigentlich mehr wegen ihres berüchtigten "Nordkinnvej" zu einiger Bekanntheit brachte.

Der Nordkinnvej mitten im Juni Typisches Verkehrsmittel am Nordkinnvej, auch im Juni

Die östlichste dieser Batterien liegt direkt am Tanafjord am Ostabhang des Sandfjellet. Es führt keine Straße, noch nicht einmal ein Wanderweg, dorthin. Mit dem Boot wäre die Batterie am besten von Skanes aus zu erreichen.
Kaum noch sichtbar sind die Reste der Batterie Mehamn. Hier wurde nach Kriegsende ein Müllabladeplatz angelegt, der mittlerweile minimiert wurde. Der Rest des Geländes wurde mehr oder weniger planiert. Trotzdem sind noch etliche Reste der Batterie zu finden.

Bleibt die 4./HKAA 480 - die Batterie Gamvik. Sie war mit ihren immerhin sechs 145 mm Geschützen K 405 (f) für einen bestimmten Sektor zuständig, um feindliche Anlandungen zu verhindern. [6]

Gamvik: Offene Bettung, hier für 145 mm K 405 (f)
 
Gamvik: Offene Bettung, hier für 145 mm K 405 (f)

Durch die offene Bauweise konnte man sowohl die Reede vor Mehamn als auch die westliche äußere Zufahrt zum Tanafjord sichern. Gleichzeitig deckte man Gamviks kleinen Hafen. Immerhin ist Gamvik nach Mehamn und Kjöllesfjord der drittgrößte Ort auf Nordkinn.

 

Die Geschütze waren in offenen Bettungen behelfsmäßig mit einem standardisierten Behelfssockel schwenkbar gemacht worden. Diese Befestigung findet man allerorten am Atlantikwall - nie jedoch so gut erhalten wie an Norwegens Küsten.

Behelfssockel mit Drehteller für Feldgeschütz
 
Behelfssockel mit Befestigungsspornen Sie bestand aus einem festen Unterteil, welches wiederum auf einem meist betonierten Sockel fest verschraubt und in der Höhenlage ausgerichtet war.
 

Es gibt auch Beispiele, bei denen die Erdsporne zur Höhenverstellung direkt in den Felsen getrieben wurden.

Batterie Store Korsnes: Erdspornbefestigung mit Höhenverstellung

Hierauf wurde dann der eigentliche Drehteller installiert und das unveränderte Geschütz samt seiner Radlafette darauf festgespannt. Ein Stahlwinkel sorgte für die Positionierung des Rades. Um die Umlenkrolle wurde eine Kette oder ein Stahlseil zur Befestigung des Geschützes gespannt.

Links Anschlagwinkel, daneben die Spannrolle Spannschraube zum Festzurren der Lafette

Durch diese einfache Vorrichtung ließ sich das Geschütz mit relativ wenig Kraftaufwand um ein Mittelpivotzapfen drehen.

Drehzapfen mit Befestigungen für das Geschütz

Ein Gradkranz aus Blech für den Holmsporn erleichterte die exakte Seitenrichtung. Auch diese Blechkränze findet man heute noch überall in Norwegen.

Feldmäßiger Unterschlupf Die Geschützbedienung konnte sich bei nicht erwiderbarem Beschuß (Tiefflieger, Bomber) in angebaute sogenannte HWB-Unterstände (aus Heinrich-Wellblech Formteilen erstellt, bzw. mit solchen oben abgedeckt) flüchten, besaßen dort aber keinen bombensicheren Schutz.
 

Zur Zielpeilung existierten zwei Kleinststände, in denen Scherenfernrohre eingesetzt wurden. 
Entdeckt haben wir auch zwei Bettungen für je eine 5 cm Kampfwagenkanone [2], die zur Nahsicherung der Batterie eingesetzt waren.

Bettung für 5 cm Kwk, wie sie auch in Frankreich zu finden ist

Das nahegelegene Flugfeld von Gamvik wurde von einigen leichten Flugabwehrgeschützen geschützt, die gleichzeitig zur Tieffliegerabwehr der Batterie eingerichtet waren. Wahrscheinlich waren sowohl die Batterie als auch der Flugabwehrzug am Flughafen mit mindestens je einem 60 cm Scheinwerfer ausgestattet.
Alles in allem sind die Überreste für den Forscher wenig spektakulär, aber wahrscheinlich umso rätselhafter für die (vorwiegend deutschen) Touristen, die sich einmal den nördlichsten Festlands-Leuchtturm das Slettnes Fyr ansehen wollen.

Slettnes Fyr - der nördlichste Leuchtturm auf dem Festland

Unser Tip: Tanken Sie rechtzeitig - nicht immer haben die Tankstellen hier oben geöffnet oder die richtige Spritsorte im Vorrat.

Nachstehender Lageplan wurde von Erik Ritterbach / ARN und Harry Lippmann / DAWA erarbeitet und zeigt auch die Anlagen auf, die den kleinen Hafen Gamviks schützen sollten.

  

Die 14,5 cm Kanone K 405 (f) (deutsche Bezeichnung)
Parallel zu den deutschen Marinegeschützen entwickelten die Franzosen im I. Weltkrieg ein Marinegeschütz mit einem 145 mm Rohr, welches auf einer Feldlafette installiert und somit fahrbar gemacht wurde. Die frz. Bezeichnung lautete Canon de 145 L mle 16 St. Ch. [Firma St. Chamond].
Nach dem I. Weltkrieg wurden einige Rohre an Rumänien verkauft, in die Hände der deutschen Wehrmacht gerieten 1940/41 etwa 215 Stück, die zumeist in der Küstenverteidigung eingesetzt wurden.
Die 14,5 cm K 405 (f) wurde sowohl in offenen Feldstellungen, in betonierten offenen Stellungen als auch in Heeresregelbauten des Typs R 679 [3, 4, 5] eingesetzt. Letztere wurden auf ein Pivot fest installiert und sollten mit einem Seitenpanzer versehen werden, der allerdings nicht überall angeliefert wurde.

Die technischen Daten der 14,5 cm K 405 (f) [1]:
Kaliber: 145 mm
Länge der Waffe: L/50,8 (=7362 mm)
Rohrlänge: 7362 mm
Marschgewicht: 14.060 kg
Gefechtsgewicht: 13.210 kg
Richtbereich Höhe 0° bis +38°
Richtbereich Seite 6° (ohne Drehlafettenhilfe)
Vo: 784 m/sec
Geschoßgewicht: 36,2 kg
Höchstschußweite: 20.200 m (=202 hm)
Kadenz: 1 Schuß/Minute

 

Zur Vertiefung:

[1]  Gander, Terry; Chamberlain, Peter
Enzyklopädie deutscher Waffen
Motorbuch Verlag, Stuttgart
[2]  DAWA Sonderband 5 - Die 5cm Kampfwagenkanone im Atlantikwall
[3]  DAWA Sonderband 10 - Die Heeresregelbauten, Typenheft
[4]  DAWA Sonderband 30 - Die Heeresregelbauten, Bildband
[5]  DAWA CD - Mont Canisy
[6]  In einigen dem DAWA vorliegenden Quellen wird der Geschütztyp mit 155 mm K 416 (f) angegeben.

 
 

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Stand: 17. Dezember 2016

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