Deutsches Atlantikwall-Archiv

Dietl

 

Zurück

Die Batterie Dietl

Stand 10.05.2017

Die Batterie DIETL liegt auf der Insel Engeløya, die seit etlichen Jahren mit dem Festland durch eine kleine Brücke verbunden ist. Aber auch dieses liegt isoliert und ist von der E 6 aus nur durch den "Steigen"-Tunnel zu erreichen, der nahe beim Rastplatz Vassmo (beliebter Halteplatz auch bei Bustouristen wegen der Felsritzungen) die Rv 835 durch das Bergmassiv führt.
 
Die Batterie war mit 3 Geschützen 40,6cm SK C/34 bewaffnet, die in offenen Bettungen des Marineregelbautyps S 384 montiert waren und den Vestfjord vor alliierten Streitkräften weiträumig abzusichern hatten. Batterie DIETL - das zerklüftete Stellungsgelände
 
S 384 - Geschützstellung für 40,6cm Turmgeschütz Leider wurde die Batterie in der Nachkriegszeit vom norwegischen Militär verkauft und die Stahlteile, also auch die Geschütze, der Verschrottung zugeführt.
 
Heute ist die Batterie ein Freilichtmuseum, die mittlere Bettung kann als Museumsbettung (10h-18h) besichtigt werden. Die Museumsbettung
 

Waschbecken in der Museumsbettung

Die Museumsleitung tut ihr Möglichstes, um die von Schrotthändlern bei der Demontage vergessene Einzelteile zu retten.

 
Der Maschinensaal wurde rekonstruiert und mit den damaligen Aggregaten belassen.

Diesel

 
Werkzeug

Leider ist in den letzten Jahren ein gewisser Schwund beweglicher Einzelteile festzustellen, so auch bei den Heißwerkzeugen.  

 
Der Pflegezustand der eingebauten Geräte im Leitstand und in den Bettungen läßt leider auch mehr und mehr zu wünschen übrig. Von den Schalttafeln ist nach der Verschrottungsaktion kaum noch etwas erhalten geblieben.

Elektro-Schalttafel

 
Boilerraum

So waren die Warmwasserboiler 2001 auch noch besser in Schuß.

 
Die Munitionsräume wurden mit einigen Einbauteilen ausgestattet.

Geschoßdurchreiche

 
uns unbekanntes Blechteil - vom FuMO 214?

Die Begehung des weiträumigen Geländes ist spannend: überall findet man Hinterlassenschaften der deutschen Besatzung.

 
Ein Beispiel, wie schnell auf einmal der Verfall ist:
Diesen Mülleimer der Deutschen haben wir 2001 fotografiert.

Schade um den originalen Mülleimer

 
Nur 10 Jahre später, nachdem er fünfzig Jahre zusammengehalten hatte, ist er in sich zusammengefallen.

... der dann noch angezündelt wurde

Im Gegensatz zum militärischen Terrain der Schwesterbatterie bei Harstad kann man sich auf dem hiesigen Batteriegelände frei bewegen. Dies ermöglicht dem Besucher, sich ein Bild von der topographischen Anordnung einer Schwerstbatterie in offener Bauweise zu machen.

Stark vereinfachter Lageplan der Batterie Dietl


 
Die Reste des zur Feuerleitung der Batterie eingesetzten FuMO 214 (Seeriese) sind noch vorhanden. Das Wunschdenken wäre, hier einen der noch europaweit in Museen und technischen Museen vorhandenen Würzburg-Spiegel zu reinstallieren. Reste des FuMO 214 - SEERIESE
 
Einzelteile des Parabolspiegels des FuMO 214 Teile des Parabolspiegels des FuMO 214 lagen unlängst noch am Hügelfuß, in dessen Senke sich einige Baracken der Besatzung, für die Auswertung und für die Stromerzeugung befanden.

Der etwas rückwärts eingebaute R 608 sollte als Vermittlungs- und Maschinenstand dienen, wurde aber nie fertiggestellt und zeigt somit interessante Details der letzten Bauphase.
 
 
Überall sind im Gelände leichte Wohnbunker zu finden, die vor allem den Alarmbesatzungen der Verteidigungsstellungen Unterkunft boten.

Außenkante eines Wohnunterstandes

 
Mit S-Draht verfülltes Einmannloch

Die Batteriebesatzung selbst war in Baracken untergebracht, von denen hier und da noch ein Fundament erhalten geblieben ist. Der Selbstschutz der Batterie beschränkte sich auf Flugabwehr- und Infanteriestellungen in feldmäßigen Erdkampfanlagen.

 
Hier und da findet man noch einen betonierten Ringstand im Gelände, um ein MG zum Einsatz bringen zu können. Schwere Kampfbunker für sMG, Granatwerfer oder Feldgeschütze bzw. Panzerabwehrkanonen sucht man vergebens.

Der Ringstand wurde in die Felsnase eingebaut

Steht man letztendlich weit im Westen auf dem Leitstand der Batterie, sieht man auf den vorgelagerten Schären weitere Befestigungsanlagen. Es handelt sich hierbei um die mittelschwere Seezielbatterie Stranden sowie um Flakstellungen mit nebst infanteristischen Kleinanlagen.
Auf dem Hügel thront der Leitstand der Batterie Leitstand, Panzerturm mit Haube für Zielsäule
 
In der angrenzenden Ortschaft Bö, die sich in den Talkessel auf der Nordseite des Engelöya-Massivs schmiegt, waren vor allem die Zwangsarbeiter untergebracht, die am Bau der Batterie eingesetzt waren. Die Geschützrohre und anderes sperriges Material wurden im winzigen Hafen von Bö, an einem von den Deutschen gebauten Entladepier, von den Transportkähnen entladen.

Landepier zum Löschen der Geschützrohre

Kurz vor dem östlichen Paßausgang des Talkessels befand sich ein Barackenlager für die Besatzungen von Kleinst-U-Booten, die den Vestfjord nutzende alliierte Schiffsverbände angreifen und deren Vordringen nach Narvik verhindern sollten. Von diesen Baracken sind die Fundamente noch erhalten, die Garagen für die Kleinst-U-Boote existieren ebenfalls noch und werden heute landwirtschaftlich genutzt. Der östliche Paß wurde durch Erdkampfanlagen, darunter ein Ringstand, gesichert.
Am Westausgang des Talkessels war ein Flugabwehrzug stationiert, der auch die Zufahrtsstraße zu sichern hatte. Bei genauem Hinsehen kann man die Reste der Erdwälle, die um die Geschütze herum aufgeschichtet waren, noch erkennen.

Prost!

Alles in allem dürfte ein ausgiebiger Besuch des gesamten Terrains samt Anfahrt (von der E 6) einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, Verpflegungsmitnahme ist also angeraten (die abgebildete Flasche Trinkbranntwein ist mittlerweile auch "weggefunden" worden).
In Steigen gibt es einen kleinen Einkaufsladen. Einen Kaffee kann man auch im Museumsbüdchen der Batterie Dietl trinken. Die skandinavische Angewohnheit, überall Waffeln anzubieten, habe ich in den letzten Jahren leider vermißt.
Übernachtungsmöglichkeiten auf Engeløya bietet ein nahegelegenes Anglercamp oder das Häfchen Bogøy am Fuß der Engeløy-Brücke (noch auf dem Festland).

 

Nicht nur anläßlich eines Besuches empfehlen wir den Erwerb unseres

DAWA Sonderband 24 - Die Batterie Dietl
(erhältlich in norwegischer oder in deutscher Sprache für je 6 €)

Wir beschreiben darin intensiv die Batterie und deren Bauwerke, deren Anlage sich grundlegend von den kasemattierten Schwerstbatterien in Frankreich unterscheidet.

  

Zur Vertiefung:

[1] DAWA Sonderband 10 - Die Regelbauten des Heeres im Atlantikwall
[2] DAWA Sonderband 19 - Militärmuseen in Nordeuropa
[3] DAWA Sonderband 24 - Die Batterie Dietl
[4] DAWA Sonderband 24 - Batterie Dietl (norwegische Ausgabe)
[5] DAWA Sonderband 31 - Bildband Heeresregelbauten, Teil 2 (Neuauflage 2017 in Farbe!)

  

Willkommen ] Zurück ]

Stand: 17. Dezember 2016

Impressum
Harry Lippmann, Schmittgasse 151, D - 51143 Köln  - Telefon: (02203) 87818
Harry.Lippmann@deutschesatlantikwallarchiv.de