Deutsches Atlantikwall-Archiv

Strategie

 

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Der Atlantikwall im Kampf

Stand 01.04.2016

Oft werden wir gefragt, warum der als unüberwindlich gepriesene Atlantikwall letztendlich doch und vor allem in nur wenigen Stunden, durchbrochen wurde. Es gibt viele Gründe dafür, wovon einige davon sogar hätten vermieden werden können. Spekulativ bleiben Planspiele, wenn der eine oder andere Mangel nicht aufgetreten wäre.
Zunächst einmal muß unser Mitarbeiter Martin Egger zitiert werden: jede Festungsanlage kann bezwungen werden, solange der Angreifer keine Verluste scheut. Die Geschichte kennt kaum Ausnahmen von dieser Regel. Unter dieser Prämisse wäre den Alliierten, wenn auch mit wesentlich höheren Verlusten, der Sprung auf das Festland immer geglückt. Dank der erdrückenden Materialüberlegenheit war also eine erfolgreiche Landung höchstens eine logistische Frage.


Operative Fehler und Versäumnisse

bulletDie gepanzerten Reserven waren viel zu weit im Inland stationiert
bulletMangelnde Verminung des Ärmelkanals
bulletZu hoher Altersdurchschnitt der Besatzungen, insbesondere auch in den Befestigungsanlagen selbst
bulletEinsatz von 'Hilfswilligen' und nur bedingt wehrfähigen Soldaten
bulletZu wenig großkampferfahrene Truppenteile
bulletUnklare Befehlsverhältnisse
bulletKeine Reserven in unmittelbarer Nähe
bulletUnzulängliche Sabotage- und Spionageabwehr
bulletDie alliierte Luftüberlegenheit wurde total unterschätzt
bulletVerzettelung beim Bau von Festungsanlagen: es wurden hauptsächlich die Häfen gesichert


Unzulänglichkeiten des Atlantikwalls

bulletDer Atlantikwall war in großen Teilen nicht fertiggestellt
bulletZu große Lücken zwischen den Widerstandsnestern
bulletKeine 2. Linie vorhanden
bulletZu schwache Widerstandsnester
bulletUnzulängliche Ausstattung mit Geräten und Waffen
bulletUnzulängliche personelle Ausstattung


Taktische Fehler

bulletTrotz Entschlüsselung des Angriffscodes für die Widerstandsbewegung keine großräumige Alarmierung
bulletBlockade der operativen Reserveverbände am Landungstag
bulletUnklare Befehle und Verwirrung während der ersten Stunden
bulletIm britischen Landeabschnitt lag der erste Schwerpunkt der Gegenmaßnahmen in der Bekämpfung der Luftlandeeinheiten, dadurch lag die Stoßrichtung deutscher Einheiten mehr in nordöstlicher Richtung
bulletZu frühe Aufgabe einiger Strandwiderstandsnester, vor allem an den britischen Landeabschnitten
bulletZu frühe Aufgabe taktisch wichtiger Plätze im Cotentin (Aufgabe von Ste. Méré-Eglise)


Schicksal, Fügung, Zufall oder doch Sabotage von höchsten Stellen kurz vor der Landung?

bulletEinige der deutschen Generäle waren nicht bei ihren Truppenteilen, weil in Rennes ein Sandkastenmanöver zu absolvieren war, zu dem einige der Verbandsführer weite Wegstrecken zurückzulegen hatten.
bulletGFM Rommel weilte anläßlich des Geburtstages seiner Gattin in Deutschland. Er führte diese Fahrt nur aufgrund der schlechten Wetterlage durch, die eine Landung als nicht wahrscheinlich erscheinen ließ.
bulletKurz vor der Landung wurden die Munitionsbevorratungen der Küstenbatterien reduziert und ein Großteil der Auffüllager aus der Hauptkampflinie entfernt.
bulletDie in Frankreich stationierten Jagdfliegerverbände wurden in großen Teilen nach Deutschland zurückverlegt.
bulletDie schweren Einheiten der Panzerlehrdivision wurden an andere Fronten verlegt.


Nach der Landung

bulletMangelnde Schwerpunktbildung, weil zu wenig deutsche Reserven verfügbar waren
bulletFehlen der Luftwaffe
bulletFehlen der Marine
bulletStarrsinn Hitlers beim Einsatz der V1


Und immer noch - auf Wochen hinaus:

wartet das deutsche Oberkommando auf eine zweite Landung im Pas de Calais ...


Zur Vertiefung:

[1] DAWA Sonderband 31 - Bildband Heeresregelbauten, Teil 2
[2] Carrell, Paul
Sie kommen
Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg
[3] Schramm, Percy E.
Kriegstagebuch des OKW
Bernard & Graefe Verlag, München
[4] Ryan, Cornelius
The longest day
Verlag Simon & Schuster, New York

 
 

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Stand: 17. Dezember 2016

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